Collective Change
Ein Designnetzwerk für Junge Designende mit einem Fokus auf antikapitalistischem DesignIch nahm an beiden bisher stattgefundenen CAPS LOCK Kursen von Silas Wolf und Marion Godau teil. Auch wenn beide der Kurse auf dem Papier Theoriekurse waren, hatten sie einen, für die FH untypisch, hohen Praxisanteil.
Das Fundament beider Kurse war das gleichnamige Buch »CAPS LOCK« von Ruben Pater. In diesem beschäftigt er sich mit der Frage, wie wir als Designende uns kritisch mit dem System auseinandersetzen können. Auch werden mehrere Beispiele Antikapitalistischer Designpraxis gezeigt.
RZ Bleibt
In der ersten Installation des Kurses suchten wir, in Angesicht von Antikapitalistischem Design, gemeinnützige Organisationen aus der Umgebung, welche nicht die finanziellen, kapitalistischen Mittel hatten viel Geld in Design zu stecken.
Wir wanderten einen schmalen Grad. Unsere Ausbildung an der Hochschule bereitete uns darauf vor Probleme zu erkennen und mittels Design diese zu lösen. Dabei ging es speziell nicht darum, diesen Organisationen ein Design aufzuzwingen von welchem wir glaubten, sie bräuchten es. Vielmehr ging es um zuzuhören, schauen wobei sie aktuell wirklich Hilfe bräuchten, und dann dabei Unterstützen.
Daher geht es mir hierbei auch nicht um gestalterische Einzelheiten unseres Projektes. Vielmehr geht es um das bewusste Hinterfragen gelernter selbstverständlichkeiten. »Braucht das Rechenzentrum wirklich Instagram-Werbung?«
Einen Punkt den wir als Potenzial identifiziert hatten war die Zugänglichkeit. Das RZ wirkt wie ein riesiges Monument, wie ein großer Klotz. Der Eingang wirkt etwas versteckt, und viele haben Hürden, einfach mal rein zu gehen. Wir entwickelten Konzepte zu einer einladenen Außen-Wegeleitung, Aufsteller und Straßenbespielung.
Was sich nach Gesprächen mit Personen aus dem Rechenzentrum dann aber herausstelle war, dass sie am dringensten Flyer brauchten, welche das RZ erklärten. Es gab alle Infos schon, jedoch nur online. Gewünscht wurde sich die Moglichkeit, auf Veranstaltungen und Demos mit Menschen reden zu können und direkt Info-Material da zu lassen.
Der Kurs hat gezeigt, dass ein großes Interesse—sowohl innerhalb des Fachbereichs als auch in mir—an Antikapitalistischem Design besteht. Zugänglich ist dieses Thema trotzdem keineswegs. Es erfährt kaum Sichtbarkeit, viele kennen sicherlich keine Alternativen zu den verbreiteten Arbeitsmethoden. Haben keine Erfahrung mit Gehaltsverhandlungen. Schätzen den eigenen Arbeitswert falsch ein.
Damit beschäftigte sich der zweite CAPS LOCK Kurs.
We are all Crew
Nach einem ähnlichen theoretischen Einstieg wie beim ersten Kurs, ging der Kurs dann in eine andere Richtung.
Wir wollten studierenden den Zugang zu den Informationen geben, die wir erarbeiteten. Hinweise zu anikapitalistischem Design, Sammlungen von Jobs mit guten Arbeitsbedingungen—so etwas. Auch wollten wir uns als designende vernetzen. Über verschiedene Dinge reden.
Daher gründeten wir das Designnetzwerk Collective Change gegründet. Auf der Internetseite/Internetplattform veröffentlichten wir eine Wissensdatenbank, es gibt Useraccounts und Eventanmeldungen.
Auch veranstalteten wir eine kleine Veranstaltung, in welcher wir über das Netzwerk redeten und mit Fred von AUFSIEMITGEBRUELL über Faire Bezahlung im Design Beruf redeten.
Nach den Talks von uns und Fred gingen wir zum Workshop über, in welchem wir mit den teilnehmenden über verschiedenste Themen zum größeren Themenbereich der Bezahlung im Beruf redeten.